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August, Sepetember 2008

Recht und Gesetz in der Bundesrepublik Deutschland

Definition des Begriffs Neoliberalismus wie er heute gemeint ist

Zum Thema

Angebotspolitik
Häufig wird mit Neoliberalismus heutzutage das bezeichnet, was in der Wirtschaftswissenschaft als angebotsorientierte Wirtschaftspolitik bekannt ist. Diese basiert im Wesentlichen auf der Annahme, dass Unternehmen (also Anbieter) abhängig von ihren Gewinnerwartungen über Investitionen und damit auch über die Schaffung von Arbeitsplätzen entscheiden. Wichtig sei also, günstige Investitionsbedingungen zu schaffen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu garantieren.

Mittel dazu seien die Senkung von Löhnen, Lohnnebenkosten und Unternehmenssteuern. Aber auch eine Deregulierung und Liberalisierung der Wirtschaft.

Das Arbeitsrecht soll "entbürokratisiert" werden. Als Paradebeispiele für eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik gelten die USA unter Präsident Ronald Reagan („Reaganomics“), Großbritannien unter Margaret Thatcher („Thatcherismus“) und Neuseeland unter David Lange.

Kritiker stehen der angebotsorientierten Lehrmeinung in der Wirtschaftswissenschaft ablehnend gegenüber. Sie kritisieren, dass der freie Markt schädliche volkswirtschaftliche Ungleichgewichte erzeugen könne, da nur bei entsprechender Kaufkraft die jeweilige Nachfrage bedient werde.

Außerdem gäbe es die Gefahr, dass Bedürfnisse, hinter denen keine entsprechende Kaufkraft steht, nicht abgedeckt werden (zum Beispiel keine private Forschung an Medikamenten gegen seltene Krankheiten).

Ihrer Meinung nach haben die als Neoliberale bezeichneten Ökonomen die Tendenz, von ihnen gesehene Fehlentwicklungen ihrer Konzepte zu verharmlosen oder zu leugnen. Dabei benutzten sie die Strategie, reale Auswirkungen durch sprachliche Mittel zu rechtfertigen. Diese Vorgehensweise lässt nach einhelliger Meinung den Verdacht bestehen, dass deren Bemühungen nicht darauf ausgerichtet seien, die Realität wissenschaftlich zu erklären, sondern diese derart zu interpretieren, dass sie mit einer wirtschaftpolitischen Konzeption übereinstimmt, die eine vollkommene Befreiung der Privateigentümer von jeglichen gesetzlichen Einschränkungen fordert.

Privatwirtschaft
Als neoliberal werden hier Positionen bezeichnet, die eine privatwirtschaftliche Ordnung und Privatisierung verschiedenster Wirtschaftsbereiche fordern, so auch Infrastruktur (Daseinsvorsorge) wie Wasser- und Energieversorgung, Telekommunikation, Verkehr, Energie, Bildung, Wohnungswesen, Kultur, Sport oder medizinische Versorgung.

Der Rückzug des Staates und die Überantwortung von gesellschaftlichen Belangen an Kräfte des Marktes geht Kritikern zufolge mit dem Verlust demokratischer Einflussmöglichkeiten auf das Gemeinwesen einher. Je mehr öffentliche Bereiche in privates Eigentum übergehen, desto geringer werde der Einfluss der Bürger und der Parteien darauf. Soziale Aspekte würden vernachlässigt zugunsten von Rendite.

Von Gewerkschaften werden die von neoliberaler Politik geforderten Privatisierungen kritisiert, da sie zu einer Prekarisierung [es ist prekär...bezeichnet die stetige Zunahme der Zahl von Arbeitsplätzen mit geringer Arbeitsplatzsicherheit, niedrigem Lohn, Teilzeitbeschäftigung, befristeten Verträgen und mangelndem Kündigungsschutz in einer Gesellschaft. Prekarisierung beschreibt somit den Prozess der relativen Zunahme von prekären (resp. schlecht bezahlten und unsicheren) Arbeitsverhältnissen in der nichtselbständigen Erwerbsarbeit - heute in der Bundesrepublik zu besichtigen.] der Arbeitsverhältnisse und zu höheren Preisen für die Versorgung führten.

Kritiker beklagen die fehlende Regulierung durch den Staat beziehungsweise der Einschränkung durch gesellschaftliche Normen. Die Freiheit durch Marktchancen stelle in erster Linie die Freiheit von Wohlhabenden und Mächtigen dar. Achte man allein auf Rendite, würden moralische oder soziale Normen leiden. Auch wird kritisiert, dass die sozialen Folgen deregulierter Märkte von der Allgemeinheit zu tragen seien.

Sozialpolitik
Als neoliberal bezeichnet werden hier geforderte oder realisierte Kürzungen der Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherungen und der staatlichen Transferzahlungen. Im Bereich der Sozialsysteme werden von verschiedener Seite privatwirtschaftlich organisierte Lösungen anstelle der als bürokratisch angesehenen staatlichen Systeme angestrebt. Damit soll eine effizientere Verwaltung der Mittel des Bürgers erreicht werden. Das Umlageverfahren wird kritisiert, da es auf keiner soliden Basis stehe. Statt dessen wird private Vorsorge im Rahmen des Kapitaldeckungsverfahrens befürwortet. Milton Friedman hat eine negative Einkommensteuer vorgeschlagen. Danach würde das Finanzamt jedem Steuerpflichtigen, dessen Einkommen unter einem festzulegenden Minimum liegt, die Differenz ohne weitere Prüfungen überweisen. Staatliche Leistungen würden sich dann auf diejenigen konzentrieren, die nicht in der Lage sind, für ihren eigenen Lebensunterhalt aufzukommen. Kritiker betrachten dies als Sozialabbau.

Die Agenda 2010 der rot-grünen Bundesregierung wird von einigen Beobachtern als Praxisbeispiel neoliberaler Politik gewertet.

Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Kürzung der Ausgaben im Bereich der staatlichen Sozialversicherung. Private Absicherung könne den Sozialstaat nicht ersetzen. Die neoliberale Sicht, dass es dadurch zu einer effizienteren Verwaltung der Mittel des Bürger käme, wird von den Kritikern nicht geteilt. Nach Ansicht von Vielen findet durch den freien Markt eine Umverteilung von den ökonomisch Erfolglosen zu den ökonomischen Erfolgreichen statt. Dies werde damit begründet, dass auf Dauer die höheren Leistungen der Erfolgreichen auch den Erfolglosen zugute kommen (so genannter Trickle-Down-Effect).

Die Zunahme des Wettbewerbs sollte die Bedürfnisse der Schwächsten in der Gesellschaft nicht unsichtbar machen, meinte Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Die Befürworter neoliberaler Thesen seien leider - blind, wenn sie auf Menschen stoßen, die keine Voraussetzung haben, am Spiel des Marktes teilzunehmen .

Kritiker sind der Ansicht, dass die Entfesselung des Marktes soziale Ungleichheit verschärfen würde.

Der an der Universität Köln lehrende Politik- und Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge, kritisiert, der Neoliberalismus sei in Deutschland längst zur Leitkultur geworden, die alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringe. Der heutige Neo- oder Wirtschaftsliberalismus sei eine Sozialphilosophie und eine Zivilreligion, die den Markt über alles stelle und den Staat seiner Verantwortung für soziale Gerechtigkeit entheben wolle.
Professor Butterwegge moniert, dass die politische Mehrheitsmeinung parteiübergreifend und unkritisch zwei „große Erzählungen“ des Neoliberalismus übernommen habe, nämlich die des demographischen Wandels und die der Globalisierung. Beide würden im neoliberalen Denken als Naturgesetze dargestellt, die einen Abbau des Sozialstaats erzwängen. ???

Ein eindringliches Beispiel für einen neoliberalen Weg ist die Einführung von HartzIV.
Die Hartz-"Reformen" haben das Risiko Arbeitslosigkeit privatisiert. Es sind „Repressionen“ gegen Erwerbslose eingeführt worden. Seither haben die soziale Polarisierung und die Angst vor dem sozialen Abstieg zugenommen.


Bleibt die Frage: Wer wollte das?!!

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